keine Bremse - starre Nabe - Kurven wie Häuserwände
Als Sascha Mitte Januar mit der
Idee kam, einmal einen Ausflug zur Radbahn zu organisieren, waren einige recht skeptisch, ich dagegen war sofort dabei. Spontan, ohne groß nachzudenken, wurde zugesagt. Die Skeptiker hatten entweder schon einmal so eine Bahn live gesehen oder haben gegoogelt.
Schon am Eingang war ein Schild angebracht, welches nichts Gutes verheißen konnte. Na, ja. Mal sehen. In der Halle angekommen, wurde denen, die das noch nie gemacht haben klar, dass es wenigstens etwas Überwindung kosten würde, wenn wir nicht immer unterhalb der weisen Linie fahren wollen. Die Steilkurven haben Steigungen von ca. 65%. Dort kann man nicht einmal mit Wanderschuhen hoch laufen! Wenn man von da oben runterfällt ist man lange unterwegs.

Nachdem der erste Schreck verflogen war, ging es auch schon los in die Umkleide. Dahinter befand sich auch die Garage für unsere Leihräder. Als Mechaniker stand uns, wie ich leider erst später erfuhr, eine Radsportlegende zur Seite. 
Heinz Theisen hat alle bekannten internationalen Radrennen gefahren – von der Vuelta bis zum Henniger-Turm“. In Theisens privatem Radsport-Archiv schlummern Erinnerungen an historische Rennen wie an die längst aufgegebene „Jagd in der Nacht“ im Gladbacher Volkspark. Er war nicht nur auf der Strasse, sondern auch bei allen Sechstage-Rennen in Deutschland und im Ausland zu finden. Nach seiner aktiven Zeit war Heinz Theisen Chefmechaniker für das deutsche National-Team, das Telekom- und das Coast-Radsport-Team. Die Erinnerung an diese großartige Zeit, die Theisen rund um die Welt führte, lebt in seiner Werkstatt fort, die er auch weiterhin im Sportforum betreibt. Von diesem Mann bekamen wir auch unsere Räder ausgehändigt und sie wurden auf jeden individuell eingestellt.
Schon das Sammelsurium an Rädern, welche wir fahren durften, könnten höchstwahrscheinlich wochenlang interessante Geschichten erzählen.
Dann ging es los. Die erste Herausforderung war schon das Abrollen von der Bande zum Innenraum. Wie gewohnt eingeklickt und der Versuch, im Stehen loszufahren. Ach so, mann muß ja immer mittreten. Ach du Sch..., gerade noch mal gut gegangen! So, nun wurden die ersten Runden im blauen Bereich gefahren, da kann ja noch nichts passieren.
Außer man hat vergessen, dass man nicht bremsen kann und der Fahrer vor einem immer näher kommt. Zu allem Elend reicht es nicht, dass nur der Fahrer näher kommt, nein, die Gerade ist jetzt auch zu Ende. Jetzt muss schnell eine Entscheidung her. Ab in die Steilkurve oder man nimmt den kleinen Innenradius mit vermutlich rutschigen Hallenbelag. Also ab in Steilkurve. Das ging ja nun schon mal ganz gut. Jetzt können wir mutiger werden zumal die Kollegen schon eifrig mindestens 2m über mir fahren. Von nun ab führt meine Spur konstant zwischen der roten und der blauen Linie. Übermut läßt grüßen.
Und so kommt es, wie es kommen mußte. Eine kleine Unachtsamkeit reicht und das Hinterrad war ohne Vorankündigung weg. Und mit dem Hinterrad war natürlich auch ich weg. Hose kaputt, Schürfwunde am Oberschenkel. Aber es hat gar nicht weh getan. Also kurz geschüttelt und wieder
rauf aufs Rad. Wieder von vorne unterhalb der roten Linie. Nach kurzer Rücksprache mit dem Radprofi Theisen, war die Ursache schnell gefunden. Es lag nicht am Tempo. 35 km/h waren genug, sondern man muss in den Kurven immer Druck auf den Pedalen haben. Eine kleine Unachsamkeit reichte aus, um die schöne neue Leeze Hose zu ruinieren. Da aber nun klar war, woran es gelegen hatte, konnte ich mich wieder langsam an die blaue Linie herantasten. Jetzt fing es an, richtig Freude zu machen.

Es ging nun mit immer größerer Sicherheit durch die Steilkurven und die blaue Linie war auch bald keine Schwelle mehr. Aber Konzentrationschwächen sollte man sich nicht leisten.
Auf alle Fälle wird es nicht das letzte mal gewesen sein, das man Leeze Mitglieder hier finden wird. Alle Beteiligten waren sich einig, dass diese Veranstaltung einen festen Platz im Leeze Kalender finden muss.

